Für das Klima - Donnerstag Veggietag

Wo auch immer von Klimawandel die Rede ist, treten Autos, Energiesparlampen und das tägliche Duschen ins Kreuzfeuer. Was aber, wenn die Wahl unseres Essens ein Vielfaches davon an Umweltschädlichkeit bewirkt? Ein Kilogramm Fleisch essen oder 250 km mit dem Auto fahren1, einen Tag nicht vegetarisch leben oder 90 Badewannen voll Wasser verbrauchen2 – das sind die Maßstäbe, mit denen man sich tatsächlich auseinandersetzen kann. Um im Alltag an den richtigen "Hebeln" anzusetzen, gilt es festzustellen, welchen Anteil unser Essen bei Klima- und Umweltbelastung hat.

 

Fleisch und Energie

Energie wird nicht nur für die reine Tierhaltung benötigt, sondern vor allem zur Herstellung und dem Transport der Agrochemikalien, dem Futtermittelanbau und der Verarbeitung und dem Transport der Futtermittel. Aber auch Tiertransporte und Schlachtung gehen auf das Konto der Energiebilanz. Schliesslich verlangen Verarbeitung, Transport, Kühlung und Lagerung der Fleischwaren einen weitaus höheren Energieaufwand als vergleichbare Werte bei pflanzlichen Nahrungsmitteln. Diese kommt dem Menschen auch nicht auf anderem Wege wieder zugute: bei dem Verzehr von Rindfleisch z.B. wird letztendlich lediglich ein 35tel der Produktionsenergie als Nahrung aufgenommen. Rein von der Energiebilanz kann man sich also nun fragen, ob lieber ein Kilo Rindfleisch oder 50 Kilo Kartoffeln, 1 Dose Thunfisch oder 10 Kilo Obst gegessen werden sollen.

Primärenergiebedarf bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln; Quelle: Leitzmann, C., Keller, M.: Vegetarische Ernährung. 2. Aufl., UTB Stuttgart 2010, S. 326.

Fleisch und Treibhauseffekt

Laut UNO werden 18% des Klimawandels durch Tierhaltung verursacht3. Das ist mehr als der weltweite Transportsektor mit all seinen Autos, Lastwagen, Schiffen und Flugzeugen beiträgt. Dabei wird der Klimawandel hauptsächlich durch Methan, Kohlenstoffdioxid und Stickstoffoxide verursacht – Gase, die zu einem großen Teil Nebenprodukt der landwirtschaftlichen Tierhaltung anfallen. Diese ist für 37 Prozent des durch Menschen verursachten Methans verantwortlich und sogar für 65 Prozent Stickstoffoxid allein durch die Verwendung von Dünger.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

Damit ist die Herstellung von einem Kilogramm Fleisch klimaschädlicher als eine 250km lange Autofahrt2.

Fleisch und Regenwald

Wussten Sie, dass laut der Welternährungsorganisation FAO rund 70 % der vorher bewaldeten und bisher abgeholzten Amazonasfläche für Weideflächen zerstört werden und der Futtermittelanbau einen Großteils der restlichen Fläche ausmacht3? Bereits knapp ein Drittel der weltweiten Wildtierreserate wurden durch eine handvoll verschiedener sogenannter Nutztierarten verdrängt. Auch durch Waldrodung, Verschmutzung, Überfischung und andere Faktoren gehört die Tierwirtschaft zu den führenden Ursachen von Artenverlust. Sie ist heute auch die Hauptursache für die Waldrodung im Amazonas.

Fleisch und Wasser

Eine rein vegetarische Ernährung ist für weniger als ein Zehntel des Wasserverbrauchs konventioneller Ernährungsweisen verantwortlich. Rechnen Sie sich selbst aus, wieviel Wasser weniger Sie an einem fleischfreien Wochentag verbraucht haben:

Wasserverbrauch von 1 kg Lebensmittel. Quelle: vegetarismus.ch

Auf Nutztiere kommen rund 8% des globalen Trinkwassers. Vor allem dadurch, dass sie 7-10mal mehr pflanzliche Nahrung aufnehmen als Menschen, gehören sie zu den größten Wasserverbrauchern. Zum Vergleich: Der direkte menschliche Verbrauch (Trinkwasser, Duschen, Industrie etc.) kommt auf rund 1%3. Das veranlasst das Wissenschaftsinstitut World Watch Institute zu der Äusserung, dass man mit dem Wasserverbrauch von 1kg Fleisch ein ganzes Jahr täglich duschen könnte2. Nun herrscht in der westlichen Hemisphäre zwar nur bedingt Wasserknappheit; das sieht allerdings in den Herkunftsländern der Futtermittel ganz anders aus. Dort müssen die Felder gewässert werden, während nicht ausreichend Trinkwasser für die Bevölkerung zur Verfügung steht.

Fleisch und Boden

Die menschlichen Fäkalien werden heute zum Großteil über Kläranlagen entsorgt, die tierischen Exkremente werden jedoch immer noch auf die Felder geschüttet bzw. gespritzt. Diese gelangen über den Boden in das Grundwasser4 und kontaminieren auch mittels Antibiotika das Trinkwasser. Ammoniak gilt wegen der Übersäuerung des Bodens als mitverantwortlich für das Waldsterben und sauren Regen. Stickstoffeinträge - hauptsächlich in Form von Ammoniak, das als Folge der Nutztierhaltung entweicht - stammen zu rund zwei Dritteln aus der Landwirtschaft5. Oder: "Etwa 65 % der globalen Ammoniakemissionen gehen von der Landwirtschaft (51 % Tierhaltung, 14 % Mineraldünger) aus."6 Wälder enthalten heute dreimal mehr Stickstoffe (aus Ammoniak) in den Böden als noch vor 50 Jahren. Das Bundesamt für Landwirtschaft geht davon aus, dass in der Schweiz 90 % aller Waldböden einen kritischen Wert an Stickstoffoxiden aufweisen. Das Resultat des niederländischen Instituts für Gesundheit und Umweltschutz:

«Das Nitrat aus der Gülle entweicht als Ammoniakgas auch in die Luft; es ist ein Umweltgift, das den so genannten sauren Regen und andere säurehaltige Ablagerungen hervorruft. In Holland stammt der grösste Teil der Niederschläge von den Ammoniakgasen aus den Kuhställen – sie schaden dem Land mehr als alle Automobile und Fabriken.»7

 

1 Das folgt aus einer japanischen Studie im Animal Science Journal zur Umweltbilanz von Rindern.

2 World Watch Institute, "Meat - Now It's Not Personal", S. 14.

3 FAO, Livestock's long shadow, 2006.

4 Mohr, H. In: «Spektrum der Wissenschaft», Januar 1994, Seite 50, und «Mitteilungen zur Luftreinhalte-Verordnung LRV Nr. 13» des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landwirtschaft (BUWAL), 2002.

5 Aus: "Umwelt", 2/04, "Nährstoffe aus der Luft machen Waldböden sauer", Bundesamt für Umwelt, Wald und Landwirtschaft (BUWAL).

6 Aus: "Zukunft der Nutztierhaltung", S. 23

7 Aus: Worldwatch Paper «Zeitbombe Viehwirtschaft», S. 22.

 
Weitere Quellen:

 

World Watch Institute. "Livestock and Climate Change". 2009.

WWF. "Food and Climate Change". 2010.

Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus. Ökologie und Fleischkonsum.