24. Mai 2011

Zu Besuch beim Veggietag in Gent



v.l.: Markus, Lydia, Tobias Leenaert (EVA), Melanie, Daniel

Gent – eine kleine belgische Stadt mit ca 250.000 Einwohnern, wunderschönen alten Häuschen und einem mittelalterlichen Flair. Ein romantischer kleiner Fluss schlängelt sich durch die Gassen und doch klingen hier die Glocken der Zukunft. Gent ist Vorreiter in Sachen vegetarischer Ernährung und dem Projekt „Donnerstag ist Veggietag“. Zwölf rein vegetarische Restaurants gibt es hier und jeden Donnerstag heißt es „Donderdag - Veggiedag“.

Die Welle kam ins Rollen als der Inder Rachendra Pachauri, der Vorsitzende des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) und Klimaexperte, im Jahr 2007 zusammen mit Al Gore den Friedesnobelpreis verliehen bekam. Ein Jahr später wurde er von Tobias Leenaert (Vorsitzender von EVA) nach Gent zu einem Vortrag eingeladen. Er referierte vor ungefähr 600 Menschen über die Auswirkungen des Fleischkonsums auf unser Klima und somit auf unser aller Leben und konnte die Stadt mit seinem Plädoyer überzeugen. Initiator des daraus entstehenden Veggietages, ein fleischloser Wochentag an dem sich alle Bürger freiwillig beteiligen können, ist der Vegetarierverbund „EVA – Ethical Vegetarian Alternative“ der ebenfalls in Gent ansässig ist.

Seit 2009 gibt es in Gent donnerstags in allen Kantinen vegetarisches Essen. Auch viele Restaurants haben sich der Aktion angeschlossen und bieten ausschließlich oder vermehrt vegetarische Gerichte an. Diese werden mit dem Vermerk „Donderdag – Veggiedag“ angepriesen. 

Vier Mitglieder des Tierschutzvereins AnimalsUnited (siehe Bild) besuchten am Donnerstag, den 21. April 2011, den Veggietag in Gent, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen und Ideen für die Umsetzung eines Veggietages für München zu holen. Tobias Leenaert beantwortete alle Fragen zum Veggietag und erzählte, dass Gent von Anfang an offen für einen Veggietag war und Vorreiter in Sachen Klimaschutz sein wollte. Vor allem der Vortrag von Herrn Pachauri hatte für viel Medienaufsehen rund um das Thema vegetarische Ernährung gesorgt. Die Beliebtheit des Veggietages hätte seit der Einführung nicht nachgelassen, die vegetarischen Restaurants würden alle gut laufen und wären bei der Bevölkerung sehr angesagt. Dies hätte ideale Voraussetzungen für die Einführung eines Veggietages geboten.

Anfangs hatte EVA ohne die Stadt Werbung für diesen Tag gemacht und bereits so einige Institutionen für die Idee eines fleischfreien Wochentages gewonnen. Erst nachträglich kam die offizielle Stellungnahme der Stadt daran teilzunehmen hinzu. 25 % der Bevölkerung Gents würden laut Umfragen regelmäßig am Veggietag teilnehmen. Dass viele Städte folgten, war ebenfalls ein großer Erfolg für die Kampagne.

Hieran knüpfte Tobias Leenaert gleich einige Tipps: „Formt ein Bündnis! Sucht euch als Tierschutzverein Vereine, die in anderen Bereichen tätig sind wie Umwelt-, Klimaschutz- und Menschenrechtsorganisationen.“ Außerdem soll das vegetarische Essen den Menschen schmackhaft gemacht werden, damit sie sehen, dass eine Mahlzeit ohne Fleisch auch eine richtige Mahlzeit ist – sozial verträglicher und vor allem gesünder. „Es ist wichtig, dass die Menschen die Wahl haben. Es ist kein Zwang hinter dem Veggietag, jeder macht freiwillig mit.“

Motiviert und mit neuen Ideen bewaffnet startet die Kampagne „Ein Veggietag für München“ nun in die zweite Runde. Wir wünschen uns, dass es auch in anderen Städten bald heißt: "Donnerstag ist Veggietag".


Autorin:

Melanie Reiner, info(at)animalsunited.de, Tierschutzverein AnimalsUnited e.V., München